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Wie es mir geht, entscheide ich!

 

Mir hat mal jemand von einer Studie aus den 70iger Jahren erzählt, bei der man Kindern über einen Zeitraum von 3 Jahren einen Rekorder um den Hals gehängt hat. Dieser Rekorder zeichnete alles auf, was mit dem Kind gesprochen wurde. Im Nachgang wurde ausgewertet, wieviel positive, anerkennende, aufbauende Kommentare die Kinder bekommen hatten und wieviele negative, korrigierende, eher bremsende Kommentare.

Das Ergebnis: Die Kinder bekamen in diesen 3 Jahren durchschnittlich 3000 aufbauende, fördernde Kommentare, also 2,7 am Tag. Gleichzeitig bekamen die Kinder in dieser Zeit durchschnittlich 4 mal soviel, also 12000 negative Kommentare, also fast 11 am Tag. Dazu gehörten ganz banale Aussagen wie ‘Das schaffst Du nicht, dafür bist Du noch zu klein.’ oder ‘Wieso malst Du denn die Sonne blau, die ist doch gelb.’, Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr gern mal auf dem Spielplatz beobachten, was die anderen Mütter und Väter oder auch Ihr selbst zu den Kindern sagen. Vielleicht hat sich da heutzutage etwas zugunsten der Plussteinchen verschoben. Dennoch würde ich wetten, dass auch heutzutage das Verhältnis der Plus- und Minussteinchen immer noch zu Ungunsten der Plussteinchen ausfällt. Oder was sind Eure Erfahrungen?
Und Tatsache ist doch, dass wir alle das im Alltag auch als Erwachsene immer noch so erleben. Beobachten Sie doch mal, wie viel Kritik und wie wenig Komplimente oder Lob wir bekommen und auch verteilen, im Job und im privaten Umfeld.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass Kinder die Stimmen der Eltern und der Lehrer, der Erwachsenen in der Regel für bare Münze nehmen und nicht hinterfragen bzw. bezweifeln, sondern die Rückmeldungen in sich aufnehmen, für wahr halten und sogar speichern. Dann können wir uns das bildlich als eine Art Topf vorstellen, in denen wir alle die ganzen Plus- und Minussteinchen sammeln. Und dieser Topf begleitet uns im Unbewussten ein Leben lang. Er bestimmt zu einem Teil sogar unser Leben, unser Selbstbewusstsein, unser Selbstwertgefühl. Ein Mensch, der beispielsweise als Kind schon oft gehört hat, dass er Dinge nicht schafft, weil er zu klein, zu dick, zu langsam oder sonst was ist, was wird er wohl von sich denken, wenn er als Heranwachsender oder als Erwachsener vor einer neuen Herausforderung steht? Ok, Ihr versteht, was ich meine, ja?!

Nun, warum erzähle ich Euch davon? Ganz einfach: weil Ihr es anders machen könnt. Und zwar nicht nur mit Euren Kindern, sondern auch mit Euch selbst und auch bei Freunden, in der Familie und sogar mit Fremden. Denn, was unterscheidet uns als Erwachsene von den Kindern?
Wir können zunächst mal gedanklich einen Deckel auf den Topf machen, wenn uns jemand ein Minussteinchen hinein werfen möchte. Wir können hinterfragen, was das Minussteinchen soll, was es bewirken soll, wie wir es uns verdient haben und was wir tun könnten, um das nicht zu bekommen. So kommt das Steinchen vielleicht trotzdem in den Topf, aber es ist ein wenig wie in Watte gepackt, wir verstehen es besser. Und weil wir wissen, wo es her kommt, können wir durch ein anderes Verhalten im Nachgang Plussteinchen sammeln, also Anerkennung und Lob verdienen und für den Ausgleich sorgen, für die richtige Balance.
Zudem können wir ganz aktiv als Heranwachsende und als Erwachsene für unsere eigene, aber auch für die Bilanz der Plus- und Minussteinchen anderer Menschen, unserer Kinder, Freunde und KollegInnen und MitarbeiterInnen etwas tun. Mit diesem Bewusstsein, dass negative und positive Rückmeldungen gespeichert werden, ist das doch ganz leicht, oder? Wir wechseln einfach die Perspektive auf die Dinge und entscheiden uns ganz bewusst, mehr auf die Plussteinchen zu gucken und eben diese auch gern mal zu benennen. Das muss natürlich geübt werden, denn das sind wir so ja gar nicht gewohnt. Oder wie oft habt Ihr beispielsweise einem Fremden schon mal ein Kompliment gemacht?
Hierzu an dieser Stelle eine kleine, sehr erhellende Aufgabe, um diesen Perspektivwechsel zu üben: setzt Euch doch mal mit Eurer besten Freundin, dem Partner, der großen Tochter, einer Kollegin, einem Freund an einen belebten Ort und beobachtet Leute. Was passiert fast umgehend? Wir sehen die Outpoints und lästern darüber, oder? Wie gesagt, wir als Erwachsene können selbst entscheiden, wo wir hingucken. Deshalb entscheidet Euch doch jetzt mal dafür, in einer solchen Situation ausschließlich die positiven Dinge zu sehen, zu benennen und darüber zu sprechen. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Ihr macht. Ich verrate Euch dann auch, wie es mir die ersten Male bei dieser Übung ging.

Abschließend kann ich sagen, dass dieser Prozess, mit den Plus- und Minussteinchen aktiv umzugehen mit etwas Übung und Ausdauer dazu führt, dass wir für uns selbst irgendwann prüfen, was für Plus- und Minussteinchen wir eigentlich schon ein ganzes Leben lang mit uns herumschleppen. Und ggf. gelingt es sogar, den einen oder anderen zu relativieren und damit zu neutralisieren. Vielleicht entscheidet Ihr Euch ja auch, das ein oder andere Minussteinchen rauszuwerfen und stattdessen neue Plussteinchen hinein zuwerfen. Ihr werdet es erleben. Das Ganze dann auch gern bei Euren Mitmenschen.

Ich kann Euch nur ermuntern! Denn Ihr entscheidet, wo Ihr hinguckt und somit auch, wie es Euch und anderen geht!

Die Sache mit dem Feedback! (3)

Na, was haben Sie erlebt zum Thema Feedback? Haben Sie inzwischen welches erhalten oder gegeben? Wie hat es sich angefühlt? Welche Reaktionen bei sich und Ihrem Gegenüber konnten Sie ausmachen? Was ist Ihnen im Zusammenhang mit der Wortwahl aufgefallen? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns – mir und den anderen LeserInnen – teilen.
Wie im Beitrag ‘Die Sache mit dem Feedback! (2)’ bereits angekündigt, nehmen wir hier ein nach und nach paar der Parameter für ein gelungenes Feedback unter die Lupe. Jetzt betrachten wir

2. Die Atmosphäre/das Umfeld

In meinem Fall auf dem Golfplatz, spielte ich nach langer Zeit das erste Mal wieder und das mit zwei fremden Leuten im Flight. Ich hatte mit denen noch nie gespielt und die wussten auch nicht, dass ich nach zwei Jahren Auszeit nun erst das zweite Mal wieder auf dem Platz war. Außerdem waren wir gerade erst gestartet. Ich spielte auf der ersten Bahn (Par 4) eine 6 und mein Mitspieler sagte: “6 Schläge sind doch gut für Dich.”

Wieder das Fragenkarussel: Wie wirkt diese Aussage jetzt auf diejenigen MitspielerInnen, die mich nicht kennen? Was denken die jetzt über den weiteren Verlauf des Spiels? Verlieren die jetzt schon die Lust, weil sie davon ausgehen, dass es nur noch schlechter werden kann? Fragen die anderen sich vielleicht, wie ich sonst wohl spiele, wenn eine 6 auf einem Par 4 schon gut für mich ist?
Die MitspielerInnen konnten schließlich nicht wissen, dass ich üblicherweise besser spiele. Zudem war es den beiden auch nicht möglich, zu riechen, dass ich selbst mit den 6 Schlägen auf der Bahn nicht zufrieden war.

Also stellt sich mir beim Übertragen in das Arbeits- und Privatleben die Frage, inwieweit Zeugen bei einem Feedback ein geeignetes Umfeld sind, unabhängig davon, ob wir über Lob oder Kritik sprechen. Genauso ist es irrelevant, ob wir die Rückmeldung bekommen oder geben oder ob die Zeugen einen gut kennen oder nicht. Die Personen haben jeweils ein eigenes Bild von dem anderen und wenn das Feedback sich beispielsweise nicht mit diesem Bild deckt, gibt es ggf. Neid oder blöde Kommentare, dem Feedbacknehmer ist die Rückmeldung vielleicht sogar peinlich.
Das gleiche gilt im Übrigen auch für den Feedbackgeber. Möglichweise wurde dieser von den Zeugen bisher als eher rüde wahrgenommen und jetzt sagt er auf einmal etwas Nettes zu einem anderen, auch noch in freundlichem Ton. Wie ernst wird solch ein Feedback dann wohl von den Umstehenden genommen und wie wird die Reaktion dem Feednehmer gegenüber ausfallen, sobald der Chef weg ist? Oder wenn die Situation umgedreht ist: Ein Mitarbeiter lobt den eher als harten Brocken wahrgenommen Chef. Was muss sich der Mitarbeiter dann wohl von seinen Kollegen anhören? Wird der Chef das Feedback einfach so nehmen können, wenn er doch möglicherweise hart an seinem Image gearbeitet hat?
Das alles muss natürlich nicht so sein. Feedback kann auch unter diesen Voraussetzungen durchaus angemessen ankommen. Gleichzeitig wäre es doch schade, wenn nur wegen des gewählten Settings ein Feedback seine Wirkung verfehlt, oder?

Was meinen Sie? Wie wünschen Sie sich eine Feedbacksituation? In welchem Setting haben Sie Erfahrungen mit Feedback gemacht? Was brauchen Sie, damit Sie Rückmeldungen annehmen können? Was glauben Sie, braucht Ihr Gegenüber, um sich in solch einem Gespräch wohlzufühlen?

Ich selbst erlebe immer wieder, dass Feedback gern auch mal so zwischen Tür und Angel gegeben wird. Egal, was da rund herum gerade los ist, was vorher war und in welcher Stimmung die Beteiligten gerade sind. In vielen Fällen führt es dann genau dazu, dass Abgewunken wird bzw. die anerkannte Leistung erst einmal klein geredet wird. Auch nach Kritik wird sich dann gern mal verteidigt, erklärt und gerechtfertigt. Kennen Sie das auch?

Ihre Meinung interessiert mich sehr! Es würde mich freuen, wenn Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen mit uns teilen – kommentieren Sie gern. Ich bin gespannt auf Ihre Reaktion!

Vielen Dank, dass Sie meinen golf4lifeblog lesen!

 

 

Bildquelle: ‘Golfball mit Geschenk’ – ©Julien Tromeur, über fotolia.de

Die Sache mit dem Feedback! (4)

An dieser Stelle zunächst einmal vielen Dank für die ersten Kommentare zum Teil 3 in dieser Rubrik. Ich hab mich darüber sehr gefreut, schließlich geben diese einige Impulse, um tatsächlich am Ende dieser Reihe ‘Die Sache mit dem Feedback!’ ein gemeinsames Fazit zu ziehen. Bis dahin werden wir aber noch 2-3 Parameter eines gelungenen Feedbacks betrachten. Heute die Sache mit den Erwartungen der jeweiligen Gesprächspartner. Und auch hierzu sind Ihre Kommentare sehr willkommen.

3. Die Erwartungen

Um bei dem Beispiel auf dem Golfplatz zu bleiben, kollidierten meine Erwartungen mit denen meines Mitspielers. Er betrachtete eher die lange Pause und den damit verbundenen Trainingsrückstand. Aus seiner Sicht war es wirklich gut, dass ich direkt, ohne mich warm zu machen, nur zwei Schläge mehr auf dem Par 4 brauchte. Ich jedoch wusste, dass ich nichts verlernt hatte, die Bewegungsabläufe saßen noch wie eh und jeh und ich hatte zumindest nur 5 Schläge erwartet. Ich hatte einen Schlag unnötigerweise daneben gesemmelt und mich auch beim Putten nicht gut konzentriert. Für meine Begriffe hatte ich zwei Schläge liegen gelassen und fand deshalb die 6 gar nicht gut. Ein weiterer Grund, wieso das Lob meines Mitspielers mich nicht erreichte.

Für die Übertragung in den Alltag möchte ich Ihnen ein einziges Beispiel aus meiner eigenen Zeit als Mitarbeiterin eines Unternehmens in der Mobilitätsindustrie geben: bei mir stand das jährliche Mitarbeitergespräch mit meinem Chef an. Wie immer waren meine Erwartungen an mich selber sehr hoch und ich war bei der Vorbereitung auf das Gespräch sehr kritisch mit mir. Dennoch fiel die eigene Bewertung in den einzelnen Punkten ziemlich gut aus. Schließlich war mir bewusst, dass ich meine Aufgaben meist gut erledigte und oft auch die Erwartungen meines Chefs übertraf. Tatsächlich stimmte die Beurteilung meines Chefs auch in den meisten Punkten mit meiner eigenen überein. Als wir den Bogen abgearbeitet hatten, merkte mein Chef an, dass mein eigener Anspruch wahrscheinlich meine größte Herausforderung und damit mein größter Frust sei. Es wäre im Alltag einfach oft nicht möglich, allen Anforderungen und vor allem mir selbst gerecht zu werden. Dann sagte er folgenden Satz: “Frau Benny, und wenn Sie nur 60% dessen leisten würde, was Sie derzeit leisten, wäre das immer noch mehr und besser als die anderen und absolut ausreichend.”

Mein Chef wollte mir damit den Druck nehmen, mir sagen, dass er mehr als zufrieden mit mir ist. Viele andere Menschen hätten sich vielleicht gedacht: “Super, dann schraube ich eben ein bisschen runter und mach’s mir einfacher als bisher.” Nun bin ich aber ich und auch etwas speziell vielleicht.  Mein Fragenkarussel setzte sich wieder in Gang, wobei eine Frage diesmal absolut dominierte. Ich fragte mich ständig, was der Maßstab sei: diejenigen, die sich nur wenig identifizierten und eigentlich nur Dienst nach Vorschrift machten oder diejenigen, die sich für das Unternehmen einsetzten und auch gern die Extrameile gingen? Für mich hätte die Wahl aus Chefsicht ganz klar auf die zweite Kategorie fallen müssen. Er aber hatte mir gesagt, dass die erste Variante sein Maßstab war. So zumindest kam das bei mir an und ich war einige Zeit danach richtig frustriert. Hier waren seine Erwartungen so richtig mit Wucht mit meinen kollidiert und sein eigentliches Lob hatte eine absolut frustrierende Wirkung auf mich. Ich konnte und wollte auch nicht mit angezogener Handbremse arbeiten.

Nun bin ich sicher nicht das Maß aller Dinge. Dies ist jedoch aus meiner Sicht ein gutes, vielleicht auch etwas extremes Beispiel dafür, was Feedback auf der Basis sehr unterschiedlicher Erwartungen bewirken kann. Entweder produziert es Frust, oder es wird gar nicht ernst genommen.

Meine Bitte an Sie heute: Kennen Sie vergleichbare Situationen? Falls ja, dann teilen Sie diese doch gern mit uns und lassen uns wissen, wie eine Kollision von Erwartungen auf Sie wirken würde oder gewirkt hat. Mich würde es freuen und die anderen LeserInnen sicher auch.

Ich sage schon mal vorab: Herzlichen Dank!

Herzlichst

Katja Benny