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Die Sache mit dem Feedback! (4)

An dieser Stelle zunächst einmal vielen Dank für die ersten Kommentare zum Teil 3 in dieser Rubrik. Ich hab mich darüber sehr gefreut, schließlich geben diese einige Impulse, um tatsächlich am Ende dieser Reihe ‘Die Sache mit dem Feedback!’ ein gemeinsames Fazit zu ziehen. Bis dahin werden wir aber noch 2-3 Parameter eines gelungenen Feedbacks betrachten. Heute die Sache mit den Erwartungen der jeweiligen Gesprächspartner. Und auch hierzu sind Ihre Kommentare sehr willkommen.

3. Die Erwartungen

Um bei dem Beispiel auf dem Golfplatz zu bleiben, kollidierten meine Erwartungen mit denen meines Mitspielers. Er betrachtete eher die lange Pause und den damit verbundenen Trainingsrückstand. Aus seiner Sicht war es wirklich gut, dass ich direkt, ohne mich warm zu machen, nur zwei Schläge mehr auf dem Par 4 brauchte. Ich jedoch wusste, dass ich nichts verlernt hatte, die Bewegungsabläufe saßen noch wie eh und jeh und ich hatte zumindest nur 5 Schläge erwartet. Ich hatte einen Schlag unnötigerweise daneben gesemmelt und mich auch beim Putten nicht gut konzentriert. Für meine Begriffe hatte ich zwei Schläge liegen gelassen und fand deshalb die 6 gar nicht gut. Ein weiterer Grund, wieso das Lob meines Mitspielers mich nicht erreichte.

Für die Übertragung in den Alltag möchte ich Ihnen ein einziges Beispiel aus meiner eigenen Zeit als Mitarbeiterin eines Unternehmens in der Mobilitätsindustrie geben: bei mir stand das jährliche Mitarbeitergespräch mit meinem Chef an. Wie immer waren meine Erwartungen an mich selber sehr hoch und ich war bei der Vorbereitung auf das Gespräch sehr kritisch mit mir. Dennoch fiel die eigene Bewertung in den einzelnen Punkten ziemlich gut aus. Schließlich war mir bewusst, dass ich meine Aufgaben meist gut erledigte und oft auch die Erwartungen meines Chefs übertraf. Tatsächlich stimmte die Beurteilung meines Chefs auch in den meisten Punkten mit meiner eigenen überein. Als wir den Bogen abgearbeitet hatten, merkte mein Chef an, dass mein eigener Anspruch wahrscheinlich meine größte Herausforderung und damit mein größter Frust sei. Es wäre im Alltag einfach oft nicht möglich, allen Anforderungen und vor allem mir selbst gerecht zu werden. Dann sagte er folgenden Satz: “Frau Benny, und wenn Sie nur 60% dessen leisten würde, was Sie derzeit leisten, wäre das immer noch mehr und besser als die anderen und absolut ausreichend.”

Mein Chef wollte mir damit den Druck nehmen, mir sagen, dass er mehr als zufrieden mit mir ist. Viele andere Menschen hätten sich vielleicht gedacht: “Super, dann schraube ich eben ein bisschen runter und mach’s mir einfacher als bisher.” Nun bin ich aber ich und auch etwas speziell vielleicht.  Mein Fragenkarussel setzte sich wieder in Gang, wobei eine Frage diesmal absolut dominierte. Ich fragte mich ständig, was der Maßstab sei: diejenigen, die sich nur wenig identifizierten und eigentlich nur Dienst nach Vorschrift machten oder diejenigen, die sich für das Unternehmen einsetzten und auch gern die Extrameile gingen? Für mich hätte die Wahl aus Chefsicht ganz klar auf die zweite Kategorie fallen müssen. Er aber hatte mir gesagt, dass die erste Variante sein Maßstab war. So zumindest kam das bei mir an und ich war einige Zeit danach richtig frustriert. Hier waren seine Erwartungen so richtig mit Wucht mit meinen kollidiert und sein eigentliches Lob hatte eine absolut frustrierende Wirkung auf mich. Ich konnte und wollte auch nicht mit angezogener Handbremse arbeiten.

Nun bin ich sicher nicht das Maß aller Dinge. Dies ist jedoch aus meiner Sicht ein gutes, vielleicht auch etwas extremes Beispiel dafür, was Feedback auf der Basis sehr unterschiedlicher Erwartungen bewirken kann. Entweder produziert es Frust, oder es wird gar nicht ernst genommen.

Meine Bitte an Sie heute: Kennen Sie vergleichbare Situationen? Falls ja, dann teilen Sie diese doch gern mit uns und lassen uns wissen, wie eine Kollision von Erwartungen auf Sie wirken würde oder gewirkt hat. Mich würde es freuen und die anderen LeserInnen sicher auch.

Ich sage schon mal vorab: Herzlichen Dank!

Herzlichst

Katja Benny

 

 

 

Warum gibt es diese Rubrik?

In meiner mittlerweile fast 30-jährigen Berufserfahrung als Trainerin und Angestellte in verschiedenen Positionen habe ich viele TeilnehmerInnen, KollegInnen, MitarbeiterInnen und Chefs mit all ihren individuellen Facetten kennengelernt. Ich hatte also eine Menge Zeit, das Miteinander zu studieren und zu erleben. So konnte ich alle Bereiche der Kommunikation – sei es Lob, Kritik, Konflikt, Vertrieb, Coaching, Training und vieles mehr – im beruflichen und auch alle Bereiche im privaten Umfeld genauestens beobachten.

Und dann begann ich Golf zu spielen! Und eines Tages fiel mir auf, was auf dem Golfplatz so alles selbstverständlich ist, was ich gleichzeitig im Umgang miteinander in den Unternehmen, in denen ich aktiv war, und auch im privaten Umfeld oft als eher kompliziert wahrgenommen habe. Und oft auch gar nicht. Auf dem Golfplatz hörte ich ständig Sätze wie “Jeder wie er kann.”oder “Komm, lass Dir Zeit.” und auch gern mal “Lass es ruhig angehen, ein Schritt nach dem Anderen.”. Und mit Lob wird ja auf dem Golfplatz geradezu inflationär umgegangen. Und ich fragte mich, wieso geht das alles hier so leicht von der Hand. Meinen Chef beispielsweise habe ich nie sagen hören:”Machen Sie’s in Ihrem Tempo. Nur nicht hetzen.” Gebraucht hätte ich das schon manchmal, dass mich mal jemand bremst, aber die Realität ist eben oft anders.

So entstand die Idee, zunächst den golf4lifeblog zu starten und nun diese Rubrik hier zu integrieren. Schließlich gehört das schreiben darüber ja auch zum Benny Way. Hier werde ich nun nach und nach diese und andere Selbstverständlichkeiten auf dem Golfplatz beleuchten und in den Alltag transportieren. Ich wünsche mir dabei einen regen Austausch mit Euch und freue mich über Inputs, Feedbacks und Reaktionen. Und Ihr dürft auch gerne teilen und liken.

Herzlichst

Eure Katja Benny

Die Sache mit dem Feedback! (1)

Neulich auf dem Golfplatz, ich spielte nach langer Zeit das erste Mal und war schon froh, dass mir der erste Abschlag nicht peinlich sein musste. Nach insgesamt 6 Schlägen lochte ich auf einer Par 4 Bahn ein. Als ich meinem Mitspieler sagte, wieviel Schläge ich gebraucht hatte, sagte er: “6 Schläge – das ist doch gut für Dich!”
Er meinte das ernst, weil ich tatsächlich fast 2 Jahre ausgesetzt hatte und nun gerade das zweite Mal wieder auf dem Platz war. Und rein sachlich betrachtet war das Ergebnis auch gut. Bei meinem Handicap würden 2 Schläge mehr, als vorgesehen, im Turnier sogar noch Punkte bringen.

Warum aber kam dieses Lob bei mir nicht an?

Dazu schreibe ich dann im nächsten Teil weiter. Bis dahin kannst Du Dich und Dein Umfeld auch außerhalb des Golfplatzes mal beobachten und sehen, wie Du selbst und andere auf Lob reagieren. Und kommentiere gern! Ich freue mich auf Deine Reaktionen.

Herzlichst

Katja

 

 

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